Wieder wie neu!
ANgeDACHT zur Jahreslosung 2026 von Pfarrer Steffen Held, Dekan im Evangelischen Dekanat Dreieich-Rodgau
"Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!"
(Jahreslosung 2026 | Offenbarung 21,5)

„Wieder wie neu!“ – so höre ich die Worte beim Friseur meines Vertrauens. Ich sitze auf dem bequemen Lederstuhl, nachdem ich den üblichen Haarschnitt hinter mich gebracht habe und blicke in den Spiegel. Mit strahlenden Augen sieht er mich an und sagt diese simplen Worte: „Wieder wie neu!“
Ich glaube es ihm, noch bevor ich selbst kritisch in den Spiegel blicke. Na ja, das ein oder andere graue Haar, der Ansatz wandert auch immer weiter nach hinten… Irgendwie sah ich doch auch schonmal jünger aus. Okay, ein bisschen Retro und mit Vintage-Charme, so ist das wohl in meinem Alter. Und doch, ich blicke den Friseur-Meister im Spiegel an, der über beide Ohren strahlt. Können diese Augen lügen? Dann betrachte ich sein Werk und fühle mich tatsächlich, zumindest beim Verlassen des Friseursalons, „wieder wie neu!“
Das Neue hat ja stets seinen gewissen Reiz, und das sage ich als Mensch, der eigentlich das Vertraute schätzt und gar nicht immer alles nur neu haben muss.
Ein neues Jahr liegt neu und unberührt vor uns. Spiegelglatt, wie ein Schwimmbecken, in das noch keine*r hineingestiegen ist, oder wie eine frisch beschneite Landschaft im Schnee. Gleichzeitig nehmen wir all das mit in das neue Jahr, was uns beschäftigt und was wir sind. Unsere Freuden und Hoffnungen, unsere Ängste und Sorgen. Wir werden unsere Spuren ziehen und unsere Abdrücke hinterlassen.
In diese ambivalente Stimmung zum Jahreswechsel hinein lese ich die Worte der Jahreslosung als Mut machend und tröstlich. Im Buch der Offenbarung heißt es: „Gott spricht: ‚Siehe, ich mache alles neu!‘“ (Off 21,5)
Diese Worte wurden vor über 1900 Jahren auf der Insel Patmos im Ägäischen Meer aufgeschrieben – in einer Zeit der Bedrängnis für Christinnen und Christen. Es gab viel Leid, Verfolgung, Angst und auch Tod. Im letzten Buch der Bibel und im vorletzten Kapitel wird Leben radikal neu gedacht. Der Verfasser Johannes ist der festen Überzeugung, dass am Ende Gott alle Tränen abwischen wird und kein Leid oder Geschrei mehr sein wird, und auch kein Tod mehr. Denn „das Erste ist vergangen“. (Off 21,4)
Auch wir erleben Zeiten der Bedrängnis, aktuell im Weltgeschehen und auch in unseren ganz persönlichen Kontexten. Vieles macht uns sprachlos, und wir fühlen uns immer wieder auch ohnmächtig und hilflos. Und doch ist da die Hoffnung in uns nach einer friedlichen und gerechten Welt, nach Erfüllung und Liebe.
Wie wäre es, wenn wir diesen Worten ganz einfach Vertrauen schenken? Mal schauen, was passiert…
Gott spricht: „Siehe, ich mache alles neu!
Vielleicht entdecken wir dann schon im Hier und Jetzt, dass Gott damit tatsächlich schon längst begonnen hat, mit uns und für uns. Ich wünsche uns allen für das Jahr 2026 viele segensreiche Begegnungen, Worte und Blicke, die uns zusprechen: „Wieder wie neu!“
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